Katholische Kirche in der Steiermark

Kapelle der Barmherzigkeit

DIE KAPELLE - der Barmherzigkeit

Geht man in der Kirche ganz nach vorne, so wird man neben dem rechten Seitenaltar den Zugang zur Sakristei finden. Man tritt durch die Türe in den Gang zur Sakristei und wird von einem Schild gleich nach rechts zur „Kapelle der Barmherzigkeit" gewiesen. Dabei fällt an der Wand zum Altarraum der Kirche, genau gegenüber vom Zugang zur Kapelle, ein Fresko mit der Darstellung der hl. Elisabeth von Thüringen mit dem „Rosenwunder“ auf. Die Legende erzählt, dass Elisabeth wieder einmal mit Gaben zu den Armen unterwegs gewesen sei und zur Rede gestellt, was sie in ihrem Korb trage, geantwortet habe: „Rosen, Herr“. Als man den Korb öffnete, seien tatsächlich Rosen im Korb gelegen. Mit der Kapelle der Barmherzigkeit ist 1991 ein Wunsch der Pfarrgemeinde in Erfüllung gegangen. Die Kapelle ist der Ort für die kleine Gottesdienstgemeinde: der Ort der Messfeier am Wochentag, im Winter der Ort der feierlichen Taufe und der Seelengottesdienste. Sie ist aber auch der Ort der Gegenwart Christi in der Eucharistie, ein Ort des Betens und der Meditation. Im Jahre 1987 hatte der Pfarrgemeinderat den Beschluss für den Bau dieser Kapelle gefasst, und zwei Jahre später, am 31. Jänner 1989 wurde der Bau nach den Plänen des Architekten Irmfried Windbichler von der Behörde genehmigt. Das Bischöfliche Ordinariat erteilte seine Genehmigung am 30. Juni desselben Jahres. Am 2. Juni 1991 weihte Abt Rupert Kroisleitner von Vorau die Kapelle und nannte sie einen Ort des Glaubens, der Hoffnung und der barmherzigen Liebe. Die künstlerische Gestaltung der Kapelle war nach längeren Diskussionen dem akademischen Maler Kurt Welther für Fresken und Bilder zu Thema „Barmherzigkeit" und Professor Ulf Mayer für den zu schaffenden Altar und den Tabernakel übertragen worden.

DIE DREI ALTARFLÜGEL - des Altarbildes
Betritt man die Kapelle, dann fällt der Blick sofort auf die drei Flügel des Altarbildes von Kurt Welther. Um einen runden Tisch sitzt in der Mitte eine bunt zusammengewürfelte Tischgemeinschaft: Arme, Alte, Andersfarbige, Haftentlassene, ein leichtes Mädchen, Sandler, Asylanten - mit einem Wort Menschen am Rand der Gesellschaft. Zwölf an der Zahl, und mitten unter diesen sitzt Vinzenz von Paul, um mit ihnen, als einer unter ihnen, das bescheidene Mahl einzunehmen. Da wird das Wort Jesu aus Matthäus 25 lebendig: „Was ihr einem der Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Diesen Gedanken, den Vinzenz tausendfach gepredigt hat, wenn es um Arme und Bedürftige ging, die auch zu seiner Zeit manchmal so herabgekommen waren, daß er selbst meinte, sie hätten kaum mehr das Antlitz eines Menschen: „Mais tournez la medaille et vous verrez Jesus Christ!" (in freier Übersetzung: „Aber blickt hinter die Fassade und ihr werdet Jesus Christus sehen", wörtlich heißt es: „Dreht die Medaille um und ...").
Dass diese Tischgemeinschaft eine Gemeinschaft mit Christus ist, hat der Künstler durch das Antlitz Christi unterstrichen, das auf der Tischfläche sichtbar wird. Zu diesem Bild schrieb John Prager in den Vinzentinischen Nachrichten: „Armendienst ist Gottesdienst. Die Zwölf, die um Christi Antlitz bei der Armensuppe sitzen, erinnern an das Letzte Abendmahl, das Mahl der Liebe Gottes, dessen innerstes Geheimnis nach Vinzenz das Erbarmen ist." Die beiden Seitenflügel zeigen Szenen der Barmherzigkeit aus dem Leben und der Verkündigung Jesu. Links die bildliche Darstellung, wie die „Sünderin" Jesus die Füße wäscht und von ihm zu hören bekommt: „Ihr wird viel vergeben, weil sie viel geliebt hat." Und auf dem rechten Flügel ist die Szene dargestellt, wie der Hausvater den heimkehrenden Sohn verzeihend in die Arme schließt, der sein Vermögen verprasst hat. Wenn in der Fastenzeit die Flügel des Altarbildes geschlossen sind, wird auf den beiden Tafeln der Gekreuzigte sichtbar, der seinen rechten Arm zum Schacher streckt, um ihn mit ins Paradies zu führen, wobei der Schacher, mehrfach abgebildet, ganz allgemein der Mensch ist, der von der Barmherzigkeit Jesu umschlossen wird.

DIE FRESKEN - an den Seitenwänden
Die beiden Seitenwände zieren zwei Fresken, links ein breites Band von der Rückseite bis zum linken Fenster nach vorne mit der Darstellung der Hochzeit zu Kana und auf der rechten Wandfläche die Darstellung, wie der barmherzige Samariter dem unter die Räuber gefallenen Juden zu Hilfe kommt. Inhaltlich ist die Parabel vom barmherzigen Samariter unter dem Blickwinkel der Barmherzigkeit leicht einzuordnen, doch schwieriger ist es mit der Hochzeit von Kana. Dort hat Jesus nach Johannes in erster Linie ein Zeichen seiner Sendung für die Jünger gesetzt, dem Weinwunder an sich kommt eher nachrangige Bedeutung zu. Ohne auf eine Wertung der künstlerischen Darstellung eingehen zu wollen, muss angemerkt werden, dass es zumindest einer „Gewöhnungsphase" bedarf, bis sich die Botschaft der bildlichen Ausgestaltung dem Betrachter erschließt.

DER ALTAR - der Tabernakel, das Marienmedaillon
Ulf Mayer, der mit dem Werkstoff Holz gut umzugehen weiß, hat für den Unterbau des Altares die ineinandergreifenden Reben der Dornenkrone gewählt als Symbol des Leidens: des Leidens Christi und des Leides der Welt. Dieses Leid ist der Sockel, auf dem das Opfermysterium gefeiert und Gott dargebracht wird. Wie das Leiden des Herrn in der Auferstehung Vollendung erfuhr, so wird jedes Leid bei Gott aufgenommen, dort, wo er „jede Träne von unseren Augen wischen wird". Der Tabernakel, Ort der eucharistischen Gegenwart des Herrn, zeigt Christus im Gestus des Gekreuzigten in der Darstellung eines von Flammen umgebenen Herzens. Der Künstler zeigt im Bild den verborgenen Herrn, Christus, der in seiner Liebe unter uns gegenwärtig bleibt.
Das geschnitzte Marienbild mit dem Jesus-Kind an der rechten Außenwand in Form eines großen Medaillons bringt einen vertrauensvoll-freundlichen Ton in den Sakralraum, der ansonsten von der Aufforderung zur tätigen Nächstenliebe geprägt wird! Gleichzeitig drücken die Bildnisse aber auch aus, daß jeder, auch der Ärmste, der Verzweifelte, der Heruntergekommene hier Gemeinschaft finden kann. Darum sei an dieser Stelle noch ein kleiner Exkurs erlaubt, der auf das karitative Tun, das von St. Vinzenz ausging und weiterhin ausgeht, hinweist.