Katholische Kirche in der Steiermark

Geschichte

Kurze Geschichte der Pfarre Zu den Heiligen Schutzengeln

Die Anfänge der Pfarrkirche "Zu den heiligen Schutzengeln" gehen auf das Jahr 1903 zurück, als der Likörfabrikant und Eggenberger Bürgermeister Albert Eckert die Widmung eines Baugrundes in Aussicht stellte. Mit der Planung wurde der steirische Kichenarchitekt Hans Pascher beauftragt. Er entwarf eine mächtige Kirche im Neorenaissance-Stil, die zum Anlass des 60-jährigen Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Joseph (1908) „Kaiserjubiläumskirche zu den heiligen Schutzengeln“ heißen sollte. Durch den Ausbruch des Weltkriegs 1914 musste der Bau verschoben werden. Am Ende des Krieges war das angesparte Kapital wertlos.
Um 1927 wurde die Planung wieder aufgenommen. Aufgrund der Notzeit beschränkte man sich auf eine als Provisorium gemeinte Notkirche mit einem Theatersaal bzw. Kindergarten im Untergeschoss. 1931 wurde nach Plänen von Hans Pelzl der schlichte Bau errichtet und am 11. September 1932 die Notkirche geweiht. Seit 1930 übte der als Pfarrer vorgesehene Stationskaplan Peter Schröttner die Seelsorge in der Allerheiligenkirche aus. Mit 1. Jänner 1932 wurde die Pfarre zu den Heiligen Schutzengeln gegründet.
Die erhofften besseren Zeit stellten sich leider nicht ein: Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit, Kulturkampf, politische Spannungen und Bürgerkrieg, dann die Machtergreifung der Nationalsozialisten und schließlich der Zweite Weltkrieg ließen jede Hoffnung auf einen Neubau schwinden. Pfarrer Wilhelm Bäuerle trat 1954 seinen Dienst mit dem Auftrag an, „die eigentliche Kirche und den Pfarrhof zu bauen“. Nur letzteres gelang ihm. 1958 wurde der Pfarrhof vollendet.
Die Pfarre arangierte sich mit dem Kirchenprovisorium: Renovierung, liturgische Neuordnung nach dem II. Vatikanischen Konzil, Ergänzung der künstlerischen Ausstattung, eine Orgel.
Mitte der 1980er Jahre wurde der Mangel an Pastoralräumen größer. Am 4. Oktober 1988 setzte der Pfarrgemeinderat einen Bauausschuss ein, der ein Raumkonzept erarbeitete.
Im Februar 1989 wurde zwischen Generalvikar Leopold Städtler und dem Bauausschuss auch die Möglichkeit einer „großen Lösung“ diskutiert. Die „Notkirche Schutzengel“, das letzte Kirchenprovisorium in der Steiermark, sollte durch einen Kirchenneubau ersetzt werden. Pastoralräume sollten im bestehenden Gebäude entstehen. Unter Pfarrer Johann Schreiner wurde das Vorhaben in enger Zusammenarbeit des Bauausschusses mit den Künstlern und der Pfarrbevölkerung umgesetzt: 1994 wurde Architekt Werner Hollomey mit der Planung des Projektes beauftragt. Als Künstler wurden Edith Temmel, Josef Fink, Kurt Zisler und Manfred Gollowitsch eingeladen. 1995 stimmte der Bauausschuss der Diözese Graz-Seckau dem Neubau der Schutzengelkirche zu. Am 6. Oktober 1996 wurde der fertig gestellte Kirchenbau durch Bischof Johann Weber, der aus der Pfarre stammt, feierlich geweiht.
Zwei Jahre später konnte auch der Umbau der ehemaligen Notkirche fertiggestellt werden, in dem nun der Kindergarten und der Schutzengelsaal untergebracht sind.
Nach 100 Jahren Kirchenplanung und 64 Jahren Notkirchenzeit konnte hier in Schutzengel der letzte Kirchenbau der Diözese Graz-Seckau im 20. Jahrhundert vollendet werden.

Der Kirchenbau Architekt: Werner Hollomey

Der hochaufragende, weithin sichtbare Turm ist das Erkennungszeichen der Pfarrkirche Schutzengel. Er ist aus zwei ineinander gelegten Stahlbetonschalen zusammengefügt. Oben umfassen die beiden Schalen die Glockenkammern, in der drei Glocken untergebracht sind. Die Turmspitze endet in unterschiedlich hohen Kreissegmenten, die von einem vergoldeten Kreuz bekrönt sind. Der Fuß des Turmes umschließt die Werktagskapelle als bergenden Raum.
Durch den überdachten Vorplatzbereich gelangt man in den breiten verglasten Vorraum der Kirche. Hier sind die Orte für Taufe und Heilige Schrift. Nach Westen öffnet sich der Kirchenraum, der von massiven fensterlosen Wänden aus Ziegelmauerwerk und Stahlbeton umschlossen wird. Gemeindebereich und Altarzone verschmelzen zu einem Bereich. Vier goldene Stützen akzentuieren das Quadrat des Raumes und tragen das kreisrunde schwebende Raumgitterdach wie einen Baldachin. Zwischen den 4,5 m hohen Raumschalen und dem Dach umzieht ein Glasband den Raum und bringt so die Decke zum Schweben. Das Raumkonzept basiert auf der Überlagerung der geometrischen Grundfiguren Kreis und Quadrat. Im Hauptraum wird die Zone „irdischer Umfangenheit“ (Quadrat) von einem Bereich „kosmischer Öffnung“ (Kreis) überlagert, wobei der Lauf der Sonne dem Kirchenraum einen sich wandelnden und stimmungsreichen Charakter verleiht.
Heimo Kaindl
Diözesankonservator der Diözese Graz-Seckau
© Graz 2006