Zum Jahr der Eucharistie
Das Lamm Gottes
Wenn Sie durch die Hauptallee auf die Kirche zugehen, dann schreiten Sie zugleich den senkrechten Balkens eines Kreuzes ab. Unsere Kirche liegt im Scheitelpunkt eines imaginären Kreuzes, das man über das Gebäudeensemble des LKHs legen kann. Im christlichen Sinne ist sie die Mitte des Krankenhauses, gewiss aber der Mittelpunkt unserer Seelsorge. Jeden Tag feiern wir hier die Heilige Messe. Das Brot wird gebrochen zum Heile der vielen Kranken. Stärkung und Trost, Versöhnung und Hoffnung gehen von dem aus, der in Gestalt von Brot und Wein auf dem Altar gegenwärtig ist: Jesus Christus, unser Heiland und Erlöser.
Meistens sind wir nur wenige, die hier gemeinsam Messe feiern. Aber wir bringen stellvertretend die Bitten und den freudigen Dank so vieler Menschen vor Gott: Die Anliegen von Kranken und Angehörigen, denen wir begegnet sind, von Pflegern, Schwestern und Ärzten. Verzweiflung und Freude, Sterben und Geburt - alles liegt hier dicht zusammen und soll Gott anvertraut werden. Und die Messe ist sichtbarer Ausdruck, wie nahe Gott bei den Menschen ist. Er bleibt nicht ferne und unzugänglich im Himmel über den Himmeln, sondern er neigt sich voller Zärtlichkeit und Huld uns Menschen zu. Der Himmel eröffnet sich schon auf Erden.
Das Titelbild zeigt eine Vision des Johannes aus der Offenbarung, dem letzten Buch der Heiligen Schrift: Das Lamm ist das fleischgewordene Wort Gottes, es ist Christus. Die sieben Hörner und die sieben Augen sind Symbole der Macht und der Weisheit in Fülle. Das Herz des Lammes ist geöffnet. Jesus hat sich aus Liebe für uns Menschen dahingegeben. Sein geöffnetes Herz ist die Quelle aller Liebe und Versöhnung, allen Heiles. Und dann sieht Johannes die himmlische Liturgie zu einem ungeheuren Finale anschwellen: „Und jedes Geschöpf, das im Himmel und auf der Erde und unter der Erde und auf dem Meer, hörte ich sagen: Dem Lamme gebührt der Lobpreis und die Ehre und die Herrlicheit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit." Und alle Engelwesen stimmen ein in diesen Lobpreis.
Diese Vision erinnert uns: Man kann niemals zu groß denken von der Feier der Messe. Die Zahl der Feiernden mag oft nur klein sein, der Gesang vielleicht dürftig, der Ritus schlicht, das Predigtwort schal - und doch: Hier wird himmlische Liturgie gefeiert, hier wohnt Gott unter den Menschen. Hier legen ihm die Kranken ihre Sorgen und Ängste, ihre Tränen und bangen Hoffnungen an sein Herz. Gott wohnt unter den Menschen, hier und jetzt, weil die Messe der Himmel auf Erden ist. Oder mit einem Ruf aus der Messe gesagt: „Selig, die zum Hochzeitsmahl des Lammes geladen sind!"
Feiern Sie mit uns!
Ihr Pfarrer
Mag. Bernd Oberndorfer




