Das tägliche Wunder
Das tägliche Wunder
Am schönsten Platz des LKH-Klinikums steht unsere Kirche, leicht erhöht, als krönender Ab-schluß der Hauptallee. Immer wieder treten Patienten, Besucher und Personal des Hauses ein, für einen Moment der inneren Sammlung und des Gebetes. Und täglich ereignet sich hier das stille und große Wunder der Eucharistie. Dabei erfaßt mich als Priester stets neu das Staunen über diese Nähe Gottes. Gerade das Krankenhaus ist ein Ort der Frage: „Gott, wo bist Du? Hast Du mich verlassen?“ Gleichsam als Widerhall auf diese Frage, wie eine demütige Antwort, wird durch des Priesters Mund bei jeder Messe Jesu Wort hörbar: „Dies ist mein Leib, dies ist mein Blut“.
Du bist da
Aus einem Stück Brot wird Christi Leib, aus einem Schluck Wein sein Blut. Der Glaube daran erwächst aus dem Hören des Wortes Gottes. Darum darf es nicht fehlen in der Heiligen Messe. So heißt auch der erste Teil der Messe Wortgottesdienst. Unsere physischen Augen sehen weiterhin ein Stück Brot, doch unser Glaube läßt das Herz sprechen: „Jesus, du bist da!“
Wie von selber wird dann das Staunen über dieses Wunder zur Anbetung. Der im Jahre 2002 heilig gesprochene Pater Pio sagte: „Eher könnte die Erde ohne Sonne bestehen als ohne die Heilige Eucharistie“.
Das Medikament
Gott, der Vater, hat die Welt gut und vollkommen geschaffen, aber der Mensch fiel, verführt von Satan, in die Sünde. So kam Leid, Tod, Gewalt und Krieg in die Welt. Das Heilmittel ist das Kreuz Christi.
Die Heilige Messe ist das Kreuzesopfer, das durch die Jahrhunderte fortdauert. Es verbindet Erde und Himmel. In ihr schenkt sich Christus dem Vater. Die Welt, die aus den Händen des Schöpfergottes hervorgegangen ist, kehrt als von Christus erlöste Welt zu Gott zurück. Er, der Erlöser, ist das große Medikament der Rettung, die Arznei der Unsterblichkeit. Aus seinem am Kreuz durchbohrten Herzen entspringen wie aus einer Quelle die Sakramente der Kirche. Wir sind eingeladen, zu dieser Quelle zu kommen und an dieser Quelle zu bleiben.
Zur Quelle kommen
Dies bedeutet, getauft zu werden, oder, wenn ich schon getauft bin, meine Bereitschaft zu erneuern, IHN in die Mitte meines Lebens zu stellen.
An der Quelle bleiben
Die Taufe ist das Tor, durch das wir hineingehen, um zu bleiben.
In der Eucharistie, im Brot des Lebens, erfüllt sich auf unüberbietbare Weise Jesu Wort: „Ich bleibe bei euch alle Tage“. Darum brennt in den Kirchen beim Tabernakel Tag und Nacht das Ewige Licht. In der Heiligen Messe aber geht Jesus noch weiter, denn nach dem Empfang der Heiligen Kommunion, spricht er: „Ich bin IN dir!“ Viele sagen, dass sie, um zu glauben, keine Kirche brauchen. Aber ohne Kirche keine Priester, ohne Priester keine Messe, ohne Messe kein Brot des Lebens.
Taufe und Eucharistie -Wasser und Blut
Wasser und Blut aus dem Herzen des Gekreuzigten bedeuten Taufe und Eucharistie. Christus ist aber auferstanden und sein Herz bleibt weiter geöffnet. Schwester Faustine, im Jahre 2000 heilig gesprochen, sah in einer Erscheinung den auferstandenen Christus, aus dessen Herzen ein blaßblauer und ein roter Strahl kommen.
Wasser reinigt die Sünder. Dies geschieht in Taufe und Beichte. Der rote Strahl symbolisiert Blut. Das Blut Christi ist das Leben der Seelen. Wir empfangen es in jeder Heiligen Messe.
Dieses Christusbild, wie es Schwester Faustine sah, ist momentan als neues Altarbild in unserer Krankenhauskirche zu sehen. Ein junger Künstler hat dieses Ölbild gemalt. Wenn es gefällt, wird es uns in der Zeit von Ostern bis Pfingsten als Auferstehungsbild dienen. Die Heilige Messe stiftet eine geheimnisvolle Gleichzeitigkeit von Karfreitag und Ostersonntag. Deshalb beten wir nach der Wandlung: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit!
Verwandlung
Damit die Christen diese Quelle neu schätzen lernen, hat die Kirche das Jahr 2005 zum „Jahr der Eucharistie“ erklärt. Wie schon erwähnt, werden Brot und Wein, auf geheimnisvolle Weise, in der Messe zu Leib und Blut Christi. Wir nennen diesen Teil der Messe „Wandlung“. Dies ist ein großes Geschehen, aber wir bleiben dabei nicht stehen. Die Heilige Wandlung zielt hin auf unsere eigene Verwandlung. Wir werden Christus ähnlich. Noch radikaler mit dem Heiligen Apostel Paulus gesagt: „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir!“ Solche Menschen brauchen unsere Familien, unsere Krankenstationen, Baustellen, Schulen, Universitäten und Büros. Wer verwandelt wird, beginnt zu wandeln.
Vergebung
Ebenso verlerne ich als Priester das Staunen nicht, wenn ich in der Beichte - im Namen Gottes - sagen darf: „So spreche ich dich los von deinen Sünden ...“. Ein verwandelter Mensch tritt dann aus dem Beichtstuhl. Beichte und Messe, Reinigung und Einigung, Wasser und Blut gehören zusammen. Vieles, was unser Leben und Zusammenleben so schwer macht, hat mit der Sünde in unseren Herzen zu tun. In der Beichte geschieht Heilung und Befreiung.
Einverleibung
Sünde isoliert und trennt, Gottes Vergebung vereint wieder.
Darum öffnet eine gute Beichte auch den Weg zum Empfang des Leibes Christi. Dann werden wir, was wir empfangen: Leib Christi! So macht die Kirche in der Welt Christus sichtbar. Wir beklagen oft die schwierigen Zeitumstände, aber was hindert uns daran, bei uns selbst zu beginnen. Der Mut zu einem Neuanfang durch eine gute Beichte führt unweigerlich zu einer vertieften Entdeckung des „Schatzes der Eucharistie“.
Kaplan Roger Ibounigg




