Katholische Kirche in der Steiermark

Geschichte

Die Pfarre Feldkirchen ist eine der ältesten Gemeinden im Süden von Graz. Im Jahr 2002 feierten wir 960 Jahre Pfarre Feldkirchen (Aus der Geschichtsschreibung des Pfarrers Ignaz Joherl). Wegen Kriegswirren und schlechter Dotation für den Pfarrer musste die Pfarre nach Strassgang verlegt werden (von 1147 – 1782). Johann Michael Zwölfbot wurde wieder, als Vikar von Strassgang, Pfarrer in Feldkirchen bei Graz. In seinen alten Tagen musste er noch die Einquartierung eines französischen Divisionsgenerals mit mehreren Stabsoffizieren im Pfarrhof hinnehmen. Da wurde auch die schriftliche Aufforderung zur Übergabe der Stadt an Major Hackher verfasst (1809). Am 24. Juni kam es zwischen österreichischen und französischen Soldaten an der Reichsstraße zu einem Vorpostengefecht, bei dem 4 österreichische Husaren und 3 französische Dragoner fielen. Pfarrer Joherl hat hiefür eine Gedenksäule errichten lassen, die jetzt nordseitig des Friedhofes aufgestellt ist. Die Einverleibung der Pfarre in die Diözese Graz-Seckau geschah am 23.10.1786.
Im vorigen Jahrhundert waren nur 3 Pfarrer hier: Pfarrer Ignatz Joherl, 46 Jahre; Pfarrer Anton Gutmann, 31 Jahre; der Rest verblieb dem derzeit amtierenden Pfarrer Josef Gschanes.
In der Pfarre sind 5 politische Gemeinden vertreten, mit dem größeren Anteil von Graz (1/2). Es wohnen hier ca. 9.500 Menschen, davon sind etwa 8.000 Katholiken.

Im 20. Jahrhundert leiteten nur drei Pfarrer die Pfarrgemeinde:

Pfarrer Ignaz Joherl (1886-1933)
Pfarrer Anton Guttmann (1933-1964)
Pfarrer Josef Gschanes (ab 1964)

Geistlicher Rat Ignaz Joherl:

Geboren am 13.Juli 1848 in Pettau
Priesterweihe am 06. November 1870
Kaplan: St. Stefan im Rosentale, Pischelsdorf, Deutschlandsberg, Wildon, Graz-Kalvarienberg.
Diamantenes Priesterjubiläum am 26. Oktober 1930
Pfarrer in Feldkirchen bei Graz seit 07. Dezember 1886

Er war ein anerkannter Geschichtsforscher und Schriftsteller: "Wildon einst und jetzt", "Chronik der Burg des Marktes und der Pfarre St. Magdalena bei Wildon". Er schrieb auch die "Kommunalgeschichte Feldkirchen - Kalsdorf" (1905). Als Mitarbeiter der Tageszeitung "Die Tagespost" war er sehr geschätzt. Im damaligen Internierungslager Thalerhof wirkte er in restloser Aufopferung als Seelsorger. Weder Typhus noch Cholera konnte ihn von der Ausübung seines Berufes abhalten. Zur damaligen Zeit waren 1.030 Priester in der Diözese. Im kanonischen Alter war er an zweiter Stelle (63 Jahre Priester). Bis an sein Lebensende war er frisch und arbeitsfreudig. Mit Hilfe seines Kaplans Franz Nell wurde der Neue Friedhof angelegt, der am 24. April 1931 vom Bischöflichen Ordinariat bewilligt und von der Bezirkshauptmannschaft am 20. Oktober 1932 bestätigt wurde. Die zahlreichen, überaus herzlichen Ehrungen, die ihm zuteil wurden, zeigten so recht, welch großer Liebe und Wertschätzung sich der PfarrHerr von Feldkirchen erfreute. Im Alter von 85 Lebensjahren, nach fast 46 Jahren Pfarrer in Feldkirchen bei Graz, starb er am 26. Februar 1933.

Geistlicher Rat Anton Guttman:

Geboren am 01. August 1889 in Groß Wilfersdorf
Priesterweihe am 20. Juli 1913
Kaplan: Wolfsberg, Leoben-Waasen, Weiz, Feldbach, Graz-Kalvarienberg
Pfarrer in Feldkirchen bei Graz seit 02. Juli 1933

In seine Dienstzeit fielen die politischen Wirren, die besonders den Amtsträgern der Kirche stark zusetzten. Nach der Machtergreifung Hitlers in Deutschland veränderte sich das Panorama in Österreich ganz drastisch. Auch der Pfarrer in Feldkirchen hatte es sehr schwer in dieser Zeit. Pfarrer Guttmann beklagte sich sehr über das Benehmen der Bevölkerung. Anlass dazu war die Ermordung des Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß am 25. Juli 1934. Wie ausgewechselt verhielten sich auf einmal auch die Kirchengeher. Öffentliche Beschimpfungen musste man hinnehmen, aber auch Verleumdungen des Pfarrers. Er hat zwar keinen Sinn über Pfarrbewohner den Stab zu brechen, die durch Propaganda verführt wurden, doch spricht die Chronik davon: Der Pfarrer bedauert, dass momentan 785 Katholiken aus der Kirche ausgetreten sind. Auch die Kinder konnten nichts mehr vom katholischen Glauben erfahren. Nur die Mutigen genossen noch am "Nockerlboden", das ist das Kirchenoratorium über der Sakristei, den Unterricht. Die Luftangriffe dauerten von 1943 - 1945 an. Auch die Pfarrkirche wurde beschädigt. Im Jahre 1940, am 1. Jänner, wurde am Zentralfriedhof, der damals zur Pfarre gehörte, eine neue Pfarre errichtet. Der südliche Teil der Pfarre, Kalsdorf, bekam eine Stationskaplanei, die vom Bischöflichen Ordinariat am 01. September 1945 errichtet, aber von Feldkirchen aus betreut wurde.
Mit besonderer Aufmerksamkeit führte Pfarrer Guttmann die Innenrenovierung der Pfarrkirche durch: Elektrische Beleuchtung, neue Glocken wurden angekauft und geweiht, Altäre erneuert. Ein wunderbares Geschenk für den Pfarrer zu seinem 25. Priesterjubiläum war die "Immakulata Statue". Der Pfarrer war auch künstlerisch begabt. Er malte die Kreuzwegstationen, die heute noch in der Kirche sind. Bei Festtagen spielte er selber die Orgel und lud gerne Priester ein. Oft hatte er sogar 2 Kapläne. Im Ganzen waren es in seiner Amtszeit 19 Kapläne, die im Pfarrhof versorgt wurden. Nebenbei war er auch selber in der Pfründe tätig und bewirtschaftete sie mit Dienstpersonal. In den letzten Lebensjahren haben ihn die Feldkirchner sehr lieb gewonnen. Er ging auf die Menschen zu und war nie nachtragend. Verzeihen können war sein besonderes Verdienst. Nach kurzer Krankheit starb der verdienstvolle Pfarrer am 04. März 1964. Für seine aufopfernde Tätigkeit wird Geistlicher Rat Anton Guttmann den Feldkirchnern in guter Erinnerung bleiben. Kaum ein Tag vergeht, wo ihn nicht betende Gläubige am Grabe besuchen.

Kaplan Josef Seitz wurde nach seinem Tod als Provisor eingesetzt.

Am 16. Juni 1964 übernahm Josef Gschanes - beauftragt durch Dekret von Bischof Josef Schoiswohl vom 11. Juni 1964 - als Pfarrer die Pfarrgemeinde Feldkirchen bei Graz.