Die Welsche Kirche, ein spätbarocker Bau wurde in den Jahren 1721-1725 von der hier zugewanderten italienischen Minorität, meist Architekten Maler, Stuckateure, Bildhauer und Andere , die sich in der Confraternität (Bruderschaft )zum Hl. Franz de Paula (gegründet 1710) gesammelt hatten, errichtet. Als Patron erwählte man den Hl. Franz (1416-1507)von Paula, der als Schutzpatron der Emigranten, Eremiten und als Pestheiliger verehrt wurde. Er war Gründer des Minimitenordens (Paulaner), lebte am Hof des französischen Königs als Berater, wo er hochgeachtet 1509 verstarb.
Mit dem Ausbau der Festung Graz als Residenzstadt Innerösterreichs wurde der italienische Baumeister Domenico dell `Aglio betraut, in dessen Gefolge viele italienische Handwerker nach Graz kamen. Die Lücken in der Bevölkerung, die die Gegenreformation durch Abwanderung von Protestanten bildete , wurden ebenso gerne von katholischen Bayern und Italienern aufgefüllt. Dazu kam die Eroberung der Terraferma (Festland) durch Venedig im 16. Jahrhundert, die viele Friauler und Veneter, die sich nicht als Venezianer fühlten, in die Ferne trieb. So entstand bis zum 17. Jahrhundert eine Minorität von Italienern, die immerhin 6 % der Gesamtbevölkerung ausmachte. Sogar ein kirchliches Dekret wurde erlassen, keine Geistlichen italienischer Sprach anzustellen, nachdem der Anteil schon so hoch war ( über 30%). So waren also Künstler, Offiziere, Geistliche und andere Berufe (Kaufleute) in dieser Bruderschaft vertreten, der auch der Adel beitrat. Prominentestes Mitglied war die Kronprinzessin Maria Theresia.
Man erwarb einen ehemaligen Stall am Gries und erbaute hier die Kirche, an die das Presbyterium mit einer Trompenkuppel mit Laterne angebaut wurde. Josef CARLONE gilt als Architekt und erster Baumeister. Vollendet wurde die Kirche durch seinen Nachfolger Josef HUEBER. Die Kirche ist einschiffig, vierjochig mit einer Spiegeldecke und mit einem 3/8 Chorabschluß im achteckigen Presbyterium.
Der Hochaltar eine Ladurnerstiftung, wird Jakob Philipp STRAUB zugeschrieben, ebenso die Skulpturen auf dem Hochaltar die (v.li.) die Hl. Florian, Sebastian, Johannes d. Täufer und Donatus darstellen.Toskanische Säulen aus Stuccoluster, der Tabernakel von STRAUB, ebenso die Tafeln mit den Apostelfürsten Petrus und Paulus seitlich davon. Das Hochaltarbild von Franz Karl REMP, zeigt die Apotheose des Hl. Franz v. Paula und war eine Stiftung des ersten Protektors Ignatz Graf Attems. Bekrönung: Gott Vater mit Engel nach Art STRAUB.
Die Seitenaltäre stammen aus dem aufgelassenen Klarissinenkloster im Paradeis (Paradeishof) und werden der Donauschule zugeschrieben. Der linke Altar zeigt als Altarblatt ein schönes Bild der Kreuzigung flankiert von den unterlebensgroßen Figuren des Hl. Johannes d. Täufers und des Hl. Antonius von Padua, die aus der Werkstatt von Veit KÖNIGER stammen. Darüber findet sich ein Ölbild, die Stigmatisierung des Hl. Franz von Assisi zeigend, darunter das Bild des dornengekrönten Heilands. Der rechte Seitenaltar zeigt auf dem Tafelbild den Tod des Hl. Josef umgeben von den Plastiken der Hl. Katharina und Barbara nach Art KÖNIGER. Darüber ein Bild des KREMSER SCHMIDT: Mutter Anna lehrt der Hl. Maria das Lesen. Unter dem Alarbild eine schöne Mater misericordiae (geneigte Madonna vom Berge Karmel). Alle Figuren sind goldgefasst.
Die Decke zeigt eine wunderbare harmonische Struckverzierung mit Putti, die Carlo Federigo FORMENTINI und Peter ZAR zugeschrieben werden. Die bemerkenswerten Fresken mit Abbildungen aus dem Leben des Heiligen, Evangelisten, Kirchenvätern, Tugenden stammen von Johannes Chrysostomos VOGEL. Die Decke ist in der Mitte mit der Apotheose( Himmelsschau) des Hl. Franz v. Paula ausgemalt, links die Überfahrt nach Messina, rechts die Taufe des Dauphin. Am Korbbogen (=Triumphbogen) ziehen Engel einen Vorhang nach oben, um dem Betrachter ein imposantes Bild des himmlischen Jerusalems erahnen zu lassen.
Die Konsolfiguren an den Seiten zeigen die Hl. Franz Xaver, Franziskus v. Assisi, Seraphin von Montegranaro und Johannes Nepomuk nach Art Johann Jakob SCHOY sowie eine Maria Immaculata und einen Hl. Josef von SCHOKOTNIG. Zwei schöne Barockkreuze im Chor und unter der Empore, sowie die Madonna im Ehrenkleid runden den harmonischen Anblick ab. Das Epitaph der Elisabeth Passauner von Ehrental (+1766) zeigt einen friedlichen Tod mit geziemender Trauer. Die Kirchenbänke sind intarsiert und geschwungen mit Wappen. Die romantische Orgel mit neoklassizistischem Gehäuse ist das Werk des Südtiroler Orgelbauers Alois HÖRBIGER (19. Jhdt).
Die Kanzel: Das Schalldach mit dem Auge Gottes ist nach Art Jakob PEYER um 1770. Moderner Ambo-Adler von Oswald HUBER wurde 1986 integriert.
Fassade.: Giebelturm mit Attika, Voluten mit Vasen. Über dem Chor Dachreiter mit Laterne. Fassade mit korinthischen Pilastern über der Sockelzone. Rundbogennischen mit bemerkenswerten Sandsteinfiguren, Glaube, Hoffnung und Liebe
von Josef Schokotnig. (F.-R.Pergler)
,, Ein schöneres und würdigeres Vermächtnis hätten uns die Italiener nicht hinterlassen können , als die Welsche Kirche! (Rochus Kohlbach)